Evidenzbasierter Fachleitfaden für Lehrpersonen, Heilpädagog:innen und Schulleitungen
LeseDenker basiert auf etablierten Erkenntnissen der Kognitionspsychologie, der Sonderpädagogik und der empirischen Bildungsforschung. Ziel ist es, nicht nur die basale Leseflüssigkeit, sondern vor allem das tiefgreifende Textverständnis (Reading Comprehension), die Inferenzbildung und das metakognitive Monitoring systematisch aufzubauen.
Der methodische Kern stützt sich auf das Konzept des Reciprocal Teaching. Diese Methode weist mit einer Effektstärke von d ≈ 0,74 (Hattie, 2009; Meta-Analyse von Pionier- und Kleingruppenstudien) einen der höchsten empirisch belegten Fördereffekte auf. Vier metakognitive Denkfiguren strukturieren den Leseprozess:
In der praktischen Umsetzung wird gezielt der Protégé-Effekt (Chase et al., 2009) genutzt. Die digitalen Figuren wechseln situativ in eine hilfebedürftige Rolle (indem sie z.B. fehlerhafte Zusammenfassungen anbieten). Das Kind wird zur Expertin bzw. zum Experten und korrigiert die Figur mit konkreten Textbelegen. Studien belegen, dass Schüler:innen deutlich tiefere kognitive Elaboration zeigen, wenn sie einem Gegenüber etwas beibringen oder Fehler berichtigen müssen.
Die Methode nutzt ein dynamisches Scaffolding (Bruner, 1976). Anfänglich strukturieren explizite Satzstarter und Leitfragen den Denkprozess («Woran im Text machst du das fest?»). Im Verlauf des Kompetenzzuwachses tritt ein Adaptives Fading ein: Das äussere didaktische Gerüst zieht sich zurück, sodass der innere, selbstgesteuerte Lesedialog (inner speech) automatisiert wird.
Das Konzept folgt den Prinzipien des Universal Design for Learning (UDL):
Während lesedenker.ch die wissenschaftlichen Hintergründe, 10 forschungsbasierte Dossiers und didaktisches Material für Lehrpersonen bereitstellt, ermöglicht die Web-App lesedachs.ch den direkten praktischen Einsatz im Klassenzimmer mit interaktiven Schülerfällen.